Inga Sommer

Über mich

1979 erblickte ich in Elmshorn das Licht der Welt, doch erst 14 Jahre später, als ich das erste Mal eine Dunkelkammer betrat, konnte ich sehen, und was ich sah, gefiel mir nicht.

Hier einer, der mir was über Entwickler erzählte, dort einer, der ständig betonte, Photographie sei harte Arbeit und bedürfe eines langen Studiums. Der Nächste philosophierte über die Vorzüge verschiedener Kamera-Hersteller. Ich wollte doch nur photographieren. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, Photographie zu studieren. Ich dachte nicht mal darüber nach, wie ich Photographin hätte werden können. Viel zu abstrakt und technisiert erschien mir der Weg. So tat ich, was ich immer tun wollte, mit Menschen arbeiten. Ich schloss meine Ausbildung zur Erzieherin ab und arbeitete mit Jugendlichen.

2000 bekam ich eine Stelle in einem Projekt für betreutes Wohnen von Jugendlichen. Unter anderem bot ich den Jugendlichen einen Photokurs an. Denn obwohl die Erfahrungen in meiner Jugend mich hatten vor der Berufswahl der Photographin zurückschrecken lassen, habe ich die Leidenschaft für die Photographie nie verloren.

Bei der Arbeit mit den Jugendlichen entwickelte ich ein Gefühl dafür, den Menschen die Scheu vor dem Photografiertwerden zu nehmen und ihre Natürlichkeit zu entfalten. Konnte ich das auch mit anderen?

Die Frage musste ich mir beantworten. Kurzentschlossen bewarb ich mich auf einen Praktikumsplatz bei Fritz Brinckmann und zu meiner großen Überraschung, wurde ich genommen. Trotz der Vielzahl der Bewerber, die mir selbst viel qualifizierter erschienen waren.

Binnen kürzester Zeit lernte ich alles, was man über das Photographieren lernen konnte. Ich beherrschte die Technik und kannte alle Parameter, die ein handwerklich gutes Photo ausmachten. Aber das Wichtigste, das ich lernte, war, dass all das nichts zählte. Die beste Kamera und die teuerste Ausrüstung nützen einem gar nichts, wenn der Mensch, den man photographieren will, sich in der Situation nicht wohlfühlt. Hier kamen mir meine Erfahrungen mit den Jugendlichen zu Gute. Wo meine Kollegen verzweifelten, weil die Menschen, die sie photographierten, verkrampften, versuchten, etwas darzustellen oder die Anweisungen nicht verstanden, kam ich zu den Menschen durch und konnte sie vergessen lassen, dass sie photographiert wurden.

Jetzt, nach all den Jahren und Erfahrungen, habe ich mein eigenes Photostudio und weiß, es reicht nicht, das Licht der Welt zu erblicken, auch nicht, zu sehen, man muss erkennen.